Das Wissensportal „humboldts17.de“ stellt aktuelle Forschung rund um das Thema Nachhaltigkeit vor und lädt zu einem Austausch mit der breiten Öffentlichkeit ein.
Warum senken Gemeinschaftsgärten die Kriminalität in der Stadt? Was hat unser Fleischkonsum mit dem Anbau von Soja in Brasilien zu tun? Ist Wohlstand nur möglich, wenn der Verbrauch von Ressourcen steigt? Und wie sind Insekten an den Agrarsystemen der Zukunft beteiligt? Es sind Fragen, die aus ganz unterschiedlichen Forschungsbereichen kommen. Sie alle haben aber eines gemeinsam:
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich diese Fragen stellen, wollen Antworten darauf finden, wie wir Armut, Klimawandel, Artenschwund und Umweltverschmutzung überwinden – kurzum also nachhaltig leben können. Das Wissensportal „humboldts17.de“ rückt das Forschungsthema Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt und zeigt dabei, wie vielfältig die Arbeiten dazu sind. Die Einblicke, die die Forscherinnen und Forscher gewähren, sind oft überraschend und auch persönlich. Die von der Humboldt-Universität zu Berlin initiierte und gemeinsam mit dem Hasso-Plattner-Institut (HPI) entwickelte online-Plattform ging im Dezember 2020 an den Start und lädt Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zum Diskurs darüber ein, wie die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreicht werden können.
„Dafür sind alle gesellschaftlichen Bereiche gefragt", so HPI-Direktor Christoph Meinel. „Das HPI setzt sich als führende Forschungs- und Bildungseinrichtung mit aller Kraft für die Verwirklichung dieser Ziele ein und bündelt seine Aktivitäten in Forschung und Lehre im Sinne nachhaltiger IT. Umso mehr freuen wir uns auf die Partnerschaft mit der Humboldt Universität und darauf, bei der Entwicklung der Nachhaltigkeitsplattform Humboldts17 mit unserer Plattformtechnologie unterstützen zu können."

Ein Blick in die Geschichte zeigt: Ein sächsischer Oberberghauptmann formulierte bereits vor über 300 Jahren, im Jahr 1713, dass Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden müssen. Denn schon damals waren die Holzreserven keineswegs unerschöpflich, wie lange angenommen wurde. Hans Carl von Carlowitz leitete das Oberbergamt Freiberg und war damit für die Holzversorgung des kursächsischen Berg- und Hüttenwesens zuständig. Von Carlowitz sah, welche Unmengen Holz vor allem die Erzgruben und Schmelzhütten des Erzgebirges verschlangen. Und auch die wachsende Bevölkerung verbrauchte immer mehr Holz – zum Heizen, Kochen oder Bauen. Hans Carl von Carlowitz erkannte, dass die Wälder vor diesem Raubbau geschützt werden mussten, um einen langfristigen Nachschub an Holz zu sichern und so auch den sächsischen Bergbau zu erhalten. Er rief seine Zeitgenossen auf, zugunsten der nachfolgenden Generationen umzudenken und die Holzentnahmen mit Aufforstungen auszugleichen. Seine Ideen, die heute wohl aktueller denn je sind, hielt er in einem Lehrbuch der Forstwirtschaft fest – dem „Syvicultura oeconomica“. Heute bezieht sich das Prinzip der Nachhaltigkeit nicht mehr nur auf eine ressourcenschonende Forstwirtschaft – sondern auf alle gesellschaftlichen Bereiche. Der Kern ist aber immer noch derselbe wie vor 300 Jahren: Es geht darum, nicht mehr zu verbrauchen als nachwachsen kann, so zu wirtschaften, wie es dauerhaft möglich ist und die Gesellschaft so zu gestalten, dass alle die gleichen Chancen haben. In der Agenda 2030 haben die Vereinten Nationen diese Prinzipien in konkrete Ziele gegossen: Kein Hunger, keine Armut, gleiche Bildungschancen für alle Menschen – so sieht der Fahrplan für die Zukunft der Weltgemeinschaft aus. Insgesamt zählt die Vereinbarung, die im Jahr 2015 beschlossen wurde, 17 Nachhaltigkeitsziele – die sogenannten Sustainable Developments Goals (SDGs) auf. Bis zum Jahr 2030 sollen sie umgesetzt werden. Ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum steht hier gleichberechtigt neben dem Schutz der Ökosysteme, einer sicheren Energieversorgung oder einer friedlichen und inklusiven Gesellschaft. Es sind ehrgeizige Ziele, die sich die Weltgemeinschaft gesetzt hat und die Zeit drängt. Es braucht mutige Ideen, neue Technologien und umsetzbare Lösungsvorschläge, um den Weg in eine nachhaltige Zukunft zu beschreiten.
Mit Texten, Videos, Grafiken und Podcasts beleuchtet „humboldts17“, wie umfassend und vielfältig die Forschungen und Bemühungen sind, die wohl größte Herausforderung des Anthropozäns zu meistern. Die hier veröffentlichten Podcasts zur Ringvorlesung „Der grüne Faden“ lassen Forscherinnen und Forscher zu Wort kommen, die faktenbasiert über Klimagerechtigkeit, nachhaltige Ernährung, Verlust von Artenvielfalt oder die Energiewende berichten. Wie sich die Humboldt-Universität ihrer eigenen Verantwortung für mehr Nachhaltigkeit stellt – etwa mit der Themenklasse „Nachhaltigkeit & Globale Gerechtigkeit“ oder der studentischen Initiative Nachhaltigkeitsbüro – wird hier ebenfalls thematisiert. Das Herzstück der Wissensplattform sind konkrete Forschungsprojekte aus ganz unterschiedlichen Fachgebieten. „Expeditionen" heißen diese digitalen Ausflüge in die Welt der Forschung – in Erinnerung an die Forschungsreise Alexander von Humboldts nach Amerika von 1799 bis 1804. Die hier vorgestellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewähren Einblicke in ihren Arbeitsalltag, ihre Ziele und Methoden und zeigen in eindrücklichen Statements, wo der Schuh bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele drückt.
Ohne ein Miteinander führt der Weg in die Sackgasse – das gilt wohl für jedes einzelne der 17 Nachhaltigkeitsziele. Deshalb fördert „humboldts17“ ausdrücklich den Diskurs und Austausch über die vorgestellten Ideen und Forschungsprojekte und nutzt die Plattform, um gemeinsam mit weiteren Forschungsinstitutionen und Partnerorganisationen ein breites Netzwerk zu etablieren, das den Nachhaltigkeitsgedanken vorantreibt.
Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität: „Wir laden mit unserem Wissensportal Nachhaltigkeit alle gesellschaftlichen Akteure zum Austausch über eines der wichtigsten Themen der Menschheit ein. Ob Klimakrise, Hunger, Armut oder Ungleichheit - wir wollen diese Herausforderungen des Alltags im geologischen Zeitalter des Anthropozäns beleuchten, analysieren und gemeinsam mit anderen nach Lösungen suchen und zur Diskussion einladen: Über das menschliche Handeln, seine Auswirkungen auf die Natur und mögliche Korrekturen." sagt Sabine Kunst.

Diese Seite wurde zuletzt am Mittwoch, 17. März 2021, 10:44 Uhr verändert.