Holger Machulla ist Angler und Vorsitzender des Angelvereins ASV Neustadt am Rübenberge in Niedersachen. Zufall ist das nicht, Machulla ist in eine Anglerfamilie hineingeboren. Die Angel hielt er mit fünf Jahren das erste Mal ins Wasser. „Damals war mein Vater Vereinsvorsitzender, das hat er 47 Jahre lang gemacht“, erzählt er. „Die Familie Machulla lebt den Verein und über die Jahrzehnte haben wir den Naturschutz in den Vordergrund gestellt“. Deswegen war es für Holger Machulla auch „eine Herzensangelegenheit“ beim Forschungsprojekt Baggersee mitzumachen.

Machullas Angelverein, der seinen Sitz im Städtchen Neustadt unweit der Landeshauptstadt Hannover hat, ist Besitzer und Pächter von Seen, aber auch von Abschnitten des Flusses Leine. Dort setzen die Vereinsmitglieder Jungfische aus, um einen guten Fang zu machen, aber auch, um bedrohte Fischarten wie den Aal zu schützen oder den Lachs wieder anzusiedeln.

Die zwei Seen, die im Projekt Baggersee auf ihre Artenvielfalt im Wasser und an Land untersucht wurden, zählen zu den größten Besitztümern. „Das sind ehemalige Abbaugewässer, die haben wir nackt übernommen“, berichtet Machulla. Nicht mehr als eine Grube mit Wasser sei zu Beginn zu sehen gewesen. Nach zehn Jahren hat der Meitzer See, mit 20 Hektar Wasserfläche der größere der beiden Kiesseen, einen Schilfgürtel, Bäume wachsen am Ufer.

„Ein großer Nachteil ist, dass das Ufer sehr steil abfällt. Denn die Fische, gerade die jungen, brauchen Flachwasserbereiche“, so beschreibt Holger Machulla das Problem – für die Angler und für die Natur. Mit finanzieller Unterstützung des Baggerseeprojekts haben die Vereinsmitglieder flache Uferzonen geschaffen und Totholzgebinde ausgelegt. „Einen Baggerzug zu bestellen und den Baggerfahrern zu sagen, ihr sollt da und da graben, das ist kein Problem. Und die Totholzbündel auszubringen, war für uns eher ein Spaß“, berichtet Machulla. Sogar ein Boot der freiwilligen Feuerwehr habe mitgeholfen. Die Schwierigkeit liegt woanders: Um die Schutzzonen, die der Verein am flachen Ufer eingerichtet hat, machen nicht alle einen Bogen: „Baden ist eigentlich gar nicht erlaubt, aber die Leute gehen leider trotzdem ins Wasser.“

Holger Machulla hat sich Laufe der Jahre zum Fisch- und Gewässerexperten geschult, er ist auch ehrenamtlicher Berater für den Schutz von Bibern. Durch die Zusammenarbeit mit den Biologen, sagt er, hätten er und seine Vereinskollegen noch einmal dazugelernt. Zum Beispiel, dass man teilweise mit wenig Aufwand viel für die Gewässer tun kann. Deshalb hofft er, dass sich mehr Vereine an Projekten zur Förderung der Artenvielfalt beteiligen. Der Nachbarverein habe die Idee mit den Holzbündeln schon übernommen. „Wir müssen das tun“, sagt Machulla, „wenn wir die Angelei erhalten wollen.“

Baggersee, Foto: Holger Machulla
Holger Machullas Vereinskollegen verschaffen sich einen Überblick über die Biodiversität. Sie zählen Krebse aus dem Baggersee (von links nach rechts: Peter Reddert, Lachswart des ASV Neustadt; Mathias Emmrich, Biologe, Anglerverband Niedersachsen; Tobias Strecker, Gewässerwart ASV Neustadt).

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